Lenznacht
K. Reissiger
Will träumen geh'n in deinen Schoß,
o Maiennacht voll Glanz und Duft;
die Wonnen sind jetzt alle los,
und Küsse weht die würz'ge Luft.
Eion Blütenregen flüstert leis'
von Frühlingslust der Blum' im Gras,
und Taubrillanten funkeln heiß
von ihrer Gluten Übermaß.
Zum Liebesblick des Sternenschein
singt Nachtigall ihr schmelzend Lied;
sie seufzet, girret, jubelt d'rein,
weil Frühlingszauber in ihr glüht.
Was zuckest du, verlass'nes Herz,
was schwellst du sehnend mir die Brust?
Fühlst du dich einsam und voll Schmerz
bei aller Wesen höchster Lust?
Vertrau're nicht die schöne Nacht,
schlürf' Segensodem, der hier quillt!
O selig, wem die Maiennacht
das Herz mit Liebessehnsucht schwillt!