Lied

K. Reissiger

Ich blick' in die Welt und ich blick' in mein Herz,

und drinnen ist nichts als verzehrender Schmerz;

wohl leuchtet die Ferne mit goldigem Licht,

doch hält mich der Nord, ich erreiche sie nicht.

O die Schranken so eng und die Welt so weit,

und so flüchtig die Zeit!

Ich weiß ein Land, wo aus sonnigem Grün

um versunkene Tempel die Rosen glüh'n,

wo die purpur'ne Woge das Ufer beschäumt,

und von kommenden Sängern der Lorbeer träumt.

Fern lockt es und winkt dem verlangenden Sinn,

und ich kann nicht hin!

O hätt' ich Flügel, durchs Blau der Luft

wie wollt' ich baden im Sonnenduft!

Doch umsonst! Und Stunde auf Stunde entflieht,

vertrau're die Jugend, begrabe das Lied!

O die Schranken so eng und die Welt so weit,

und so flüchtig die Zeit!