Lied des Jünglings

K. Reissiger

Es schimmert durch Wolken der Mond so mild,

er sucht in den Fluten sein holdes Bild,

er gleichet der Liebe sanft lächelndem Blick,

der Liebe, die nimmer mir kehrt zurück.

Wohl kannt' ich ein Mägdlein so hold, so süß

wie Lächeln des Frühlings im Paradies;

wohl strahlet ihr Auge so tief und blau

wie duftige Veilchen im Morgentau.

Wohl tat sich ein Himmel da auf für mich,

wo jeglicher Engel, ach, ihr nur glich,

wohl zog da die Sehnsucht ins Herz mir ein,

nur ihr und dem Himmel dies Herz zu weih'n.

Doch als ich nun wagte, mich still zu nah'n,

da strafte Verachtung den seligen Wahn;

da welkte, da starb in trauernder Brust

auf immer die Blüte der heiter'n Lust.

Drum lob' ich die Strahlen des Tages nicht,

ich suche des Mondes bescheid'nes Licht;

es gleichet der Liebe sanftlächelndem Blick,

der Liebe, die nimmer mir kehrt zurück!