Maisuna
K. Reissiger
Ihr Lämmlein, ruft ihr so früh mich wach?
Ihr Lämmlein, wollt ihr zum kühlen Bach?
Was hebt mich vom Lager? was treibt mich hinaus?
Noch leuchten die Sterne, die Nacht ist nicht aus.
Nur leise, nur leise, daß Keiner gestört,
Daß Keiner des Herzens Pochen hört;
Kommt, folget, ihr Lämmlein; bald sind wir da;
Dort schwand er in's Weite, bald ist er nah! --
War's nur ein Träumen,
Daß du nicht fern?
Aus weiten Räumen
Der Liebe Stern.
Fühlst du mein Sehnen?
Manch lange Nacht
Haben viel Thränen
Heiß dein gedacht.
Wie weht der Morgen
Mir Kühlung zu!
O scheuche die Sorgen,
O bringe mir Ruh! --
Die Lämmlein kennen schon lange den Weg,
Sie springen so munter voran den Steg;
Schon hör' ich nahe den murmelnden Quell,
Dort dämmert die Ferne, dort wird es hell!
Noch schlummert im purpurnen Bade das Licht,
Noch birgt es sein strahlendes Angesicht,
Noch ruhen die Zelte im weiten Raum,
Manch Auge noch decket ein lispelnder Traum.
Jetzt taucht aus der Tiefe die Sonne hervor,
Jetzt hebt sie schon goldene Schwingen empor;
O Sonne, o grüße den Theuren mir!
O künd' ihm, wie sein ich gedenke hier! --
Was springet ihr Lämmer
so hastig empor?
Was bellen die Hunde
und recken das Ohr?
Was hebt sich der Staub dort
von Rosseshuf?
Vom stürmenden Reiter
welch freudiger Ruf? -
Bleibt ruhig, ihr Lämmer, ein Weilchen noch!
Ihr bellenden Hunde, o schweiget doch!
Bleibt ruhig, bleibt ruhig ein Weilchen nur!
Es kommt ja schon näher und näher die Spur. -
Jetzt wendet sich g'rad'
zu den Palmen der Pfad -
O wär' es mein Melek! O wär' er genaht!