Meine Liebe zu verkünden

K. Reissiger

Meine Liebe zu verkünden,

Meinen treuen zarten Sinn,

Wollt' ich süßen Wohllaut finden,

Doch die Hoffnung schwand dahin --

Seh' ich doch, wie mit Gekose

Zephyrs Hauch die Blüthe pflückt,

Leicht entblättert' er die Rose,

Die mich blühend jüngst entzückt.

Könnt' ich süß, wie Nachtigallen,

Könnt' ich sanft, wie Zephyrs Wehn,

Leise, wie der Quelle Lallen

Meine Liebe dir gestehn.

Dennoch würd' ich's nimmer wagen,

Würde still mein höchstes Gut

Im verschwieg'nen Busen tragen,

Meiner Liebe süße Gluth.

Denn das leiseste Berühren

Schwächt der zarten Blumen Glanz,

Und ein Blättchen zu verlieren

Aus dem schön gewundnen Kranz,

Ach, es würde mich vernichten --

Was ich habe, was ich bin,

All mein Denken und mein Dichten

Sänk' in dumpfe Nacht dahin.

In mein tiefstes Sein verwebet,

Hat sich dein geliebtes Bild,

Und das Wunderbare lebet

Engelrein in mir und mild.

Was ich Zartes je gesungen,

Hat das Theure mich gelehrt,

Was vom Schönen mir gelungen,

Nur von ihm ward mir's gewährt.

Und die reine Quelle trüben

Sollt' ich mit verweg'nem Wort?

Nein, ich will dich schweigend lieben,

Schweigend lieben fort und fort,

Bis sich klar, auch ohne Töne,

Dir mein stilles Herz gezeigt,

Deine Wang' in süßer Schöne

Sich von selbst zum Kusse neigt.