Nachtgruß

K. Reissiger

Da wieder schwebt die holde Nacht

In ihrem dunklen Kleide

Und führt der goldnen Sterne Pracht,

Wie Schäflein auf die Weide.

Der Mond als Wächter hingestellt,

Hat sich ein Sternlein zugesellt,

Das funkelt immer in hellem Schimmer!

Es schläft schon alles auf der Flur

Und ruht von Tages Mühen,

Zu meinem stillen Lager nur

Will keine Ruhe ziehen.

Das Auge müd und kummerwach

Dem holden Sternlein sieht es nach,

Das funkelt immer in hellem Schimmer!

Es schwimmen in dem weiten Blau

Die gold'nen Lichter alle,

Es netzt die Nacht mit kühlem Thau

Der Erde Blütenhalle,

Doch meiner Augen feuchter Blick

Er schaut nach einem Stern zurüruck,

Der funkelt immer in hellem Schimmer.

Zu seinem klaren milden Schein

Fühlt sich mein Herz gezogen

Ich seh' von allen nur allein

Nach ihm zum Himmelsbogen.

Doch ewig bleibt der holde Stern

Dem Herzen nah, dem Auge fern

Und funkelt immer in hellem Schimmer!

So ja auch du geliebtes Licht

In meinem dunklen Leben!

Zu dir darf auch sich anders nicht

Der Sehnsucht Blick erheben.

Du bleibst mir wie der holde Stern

Zwar immer nah, doch ewig fern

Und funkelt immer in hellem Schimmer!