Nahid

K. Reissiger

Hauchest so süßen Duft, säuselnder Abendwind,

Schaukelst so hold dein Haupt, Rose, im Mondenstrahl,

Klagest so selig drein, flotende Nachtigall,

Daß feucht von Wonnethau Blumen und Sterne sind.

Was wohl die Rose spricht zu der bewegten, Luft?

Was wohl die Nachtigall flötend der Rose klagt?

Was zu der Sultaninn zitternd der Mond wohl sagt,

Wenn von dem Purpursaum gleitet der süße Duft? --

Was ich wohl selber sagte dem Abendwind,

Wenn er mich fragte lispelnd und leis' und lind?

Was ich wohl selber spräche zur Nachtigall,

Brächte sie mir dar klagend der Lieder Schall? --

Schwieg' ich beschämt wohl? -- Schwieg' ich auch dann, wenn du,

Omar, mich fragtest, was mir geraubt die Ruh? --

Omar, ach Omar, Palme des Frühlings du,

Wenn jetzt du nahtest, Mond meiner Seele du!

Ach, wie beseligt

Flög' ich in deinen Arm!

Ach, wie durchdränge

Dann mich dein Kuß so warm!

Wärmender, bebender,

Als dein Hauch, Abendluft,

Süßer, belebender,

Selbst wie der Rose Duft.

Ach, und ich preßte

Bebend dich an mein Herz,

Und es erneute

Wechselnd sich Lust und Schmerz! --

Rose, du duftest, glühend im Purpursaum;

Bülbül, du flötest auf dem Granatenbaum;

Mond, du durchziehest schwimmend des Himmels Bahn;

Lufthauch, du zitterst; -- Wann wird mein Omar nahn? --