O tanze nicht
K. Reissiger
Ich sah in deiner Augen Hieroglyphe,
ins Antlitz dir, das zarte, holde, bleiche;
mir war's, als tauche eine schöne Leiche
verklärt und mild auf aus der Wellen Tiefe.
Da wacht' ich auf - es war ein Traumgesicht.
O tanze nicht!
Und diese Bitte will ich an dich richten
mit all der Überredung heißer Liebe,
mit der Verzweiflungszähre, die mir bliebe,
müsst' ich auf deiner Blicke Glanz verzichten,
auf deiner Augen feuchtes Sternenlicht:
O tanze nicht!
O tanze nicht! Des Lebens Traumentzücken,
der Liebe Glück geräuschlos sich verkündet,
nicht im Salon ihr Glanzpanier sich findet,
wo durch die Larve falsche Augen blicken.
Im Stillen sich die Liebe Blumen bricht;
o tanze nicht!