O wie schön!

K. Reissiger

O wie schön ist's auf den Hügeln,

Wenn die Sonne untergeht!

Wenn auf leichten Zefyrflügeln

Abendluft das Thal durchweht,

Niederwallet heil'ge Stille,

Nachtviolen duftend blüh'n,

Und am Horizont in Fülle

Gold'ne Purpurwolken glüh'n!

Schön, wenn auf den rothen Gluthen,

Von des Meisters Hand belebt,

Stolz auf kühnen Wolkenfluthen

Sich des Phöbus Denkmal hebt;

Schön, wenn er den Blicken schwindet,

Sendet seinen Abschiedskuß,

Und des Hespers Fackel kündet

Abendlichen Friedensgruß.

Wenn gleich goldnen Demantkränzen,

Zaub'risch im verklärten Schein,

Der Gebirge Häupter glänzen

In's erstaunte Thal hinein,

Auf des Meeres Spiegelwellen

Plätschernd schaukelt sich das Boot,

Und die blauen Fluthen schwellen,

Schimmernd in des Abend's Roth!

Unter meinen beiden Linden,

Deren Krone sanft gewiegt,

Zwischen Busch und Laubgewinden

Ruh' ich dann so süß vergnügt;

Blicke nach des Himmels Auen,

In der Welten tiefen Schooß,

Sprech' beglückt durch mein Vertrauen:

Herr, unendlich bist du groß!