Warnung

K. Reissiger

Der Mond ist ein besonder Ding!

Es tanzt die Kreuz, die Quer

am Himmel so ein Wunderling

nun schon seit Alters her.

Er hat von je dahin getracht't,

das er die Erde toll gemacht.

Die Erde ruhig immerdar

läuft die gewies'ne Bahn,

doch was auf ihr ist wandelbar,

das ist ihm untertan.

D'rum wirkt auf Weiber, Launen, Meer

der Mond hienieden von jeher.

Lunarisch launisch idem sind,

sagt unser großer Kant,

die Launen und die Liebe sind

dem Monde nah verfwandt,

und sicher tauscht in Mondenschein

Schalk Amor seine Pfeile ein.

Bewegt der Mond das große Meer

Zur Ebbe und zur Flut:

Wie sollt' er nicht, um so viel mehr,

Bewegen Liebesglut!

Trau'n darf man darum Weibern nicht

Vom jungen bis zum ganzen Licht.

Der Mond zieht manches Seufzerlein

Und manch gepreßtes Ach

Von hangend bangend süßer Pein

In seinem Laufe nach.

Dort oben sind sie aufbewahrt

Und manchmal wunderlich gepaart.

Es nehme vor dem Monde sich

ein Jeder wohl in Acht!

Er schleicht am Himmel sicherlich

voll Ränke jede Nacht.

[Er schläfert gern die Menschen ein

und straft sie dann mit mancher Pein.]

Den er sich unterthan gemacht,

Er wird so bleich, so trüb,

Er schleicht so gern um Mitternacht

Und seufzet nach dem Lieb.

Das Essen, Trinken schmeckt ihm nicht,

Ein Viertel wird das Angesicht.

Nachdem der Mond ihn so geplagt,

Wird launisch, mürrisch er,

Von Scrupeln, Zweifeln, Angst gejagt,

Fromm, sent'mental und leer.

Er war' verloren, wenn nicht all'

Sie heilen kam' Held

Carneval.