Was kannst du dafür?
K. Reissiger
Wie prangest du, Mädchen,
Im festlichen Glanz!
Wie blüht in der Locke
Der bräutliche Kranz!
Wie seufzet dein Liebster
Mit süßer Begier!
O, strahlendes Liebchen!
Was kannst du dafür?
Er sah dich im bunten,
Im wirbelnden Reihn;
Da stahl sich ihm Liebe
Zum Busen hinein.
O gönnte sie, seufzt' er,
Die Blicke doch mir!
Du reizendes Liebchen,
Was kannst du dafür?
Bald wurdest auch du ihm,
Dem Blöden, so gut;
Dein Herzchen entbrannte
Voll zärtlicher Glut.
Die purpurnen Wangen
Wie blichen sie dir!
Ach, schmachtendes Liebchen!
Was kannst du dafür?
Nun schlich der Geliebte
Gar traurig und bang
Auf einsamer Wiese
Das Bächlein entlang;
Die Gluten der Sehnsucht
Verzehrten ihn schier.
Ach, sittsames Liebchen!
Was kannst du dafür?
Da rief unter Zweigen
Freund Amor hervor:
Was sinnst du so lange?
Was grämst du dich, Thor?
Dort glänzet ein Blümchen,
Das pflücke du ihr!
Es lohnet dir Liebchen
Mit Küssen dafür.
Vergißmeinnicht pflückt' er
Am rieselnden Quell,
Und brachte der süßen
Verschämten sie schnell.
Da klopft' es so schüchtern,
So leis' an der Thür.
Ach, zitterndes Liebchen!
Was kannst du dafür?
Die Qualen verschwanden,
Ihr wurdet gesund,
Und knüpftet mit Küssen
Den zärtlichen Bund.
Nun steht ihr als Braut und
Als Bräutigam hier.
Ach, glückliches Liebchen!
Was kannst du dafür?
Den Zauber bewirkte
Das Blümchen der Au.
Bald ist er dein Gatte,
Und du seine Frau;
Bald werden aus Zweien
Auch drei wohl und vier,
Erröthe nicht, Liebchen!
Was kannst du dafür?
Wie oft hast du, Holde,
Das Blümchen gepflückt!
Was Wunder, wenn's immer
Und immer dich schmückt?
Es dienet dem Busen,
Der Locke zur Zier.
Ach, liebliches Liebchen!
Was kannst du dafür?