Die letzte Loge

K. Rungenhagen

Wenn die letzten der Sterne einst schimmern,

Und die Zeit an dem Ende wird stehn,

Wenn die Welten um Welten zertrümmern

Und zu Grabe das Diesseits wird gehn,

O dann wird in die heiligen Hallen,

Wo die Maurer die Arbeit gethan,

Von dem Jenseits ein Rufen erschallen:

Kommet, Brüder, der Morgen bricht an!

Und in Osten, Süd, Westen und Norden

Alle Tempel eröffnen sich dann,

Und die Brüder im heiligen Orden

Schauen gläubig zum Osten hinan:

Schlingen alle, wo immer sie wohnen,

Eine Kette zum letzten Verein,

Und es wird dann durch jegliche Zonen

Eine Loge auf Erden nur sein.

Und der Meister von oben wird fragen:

Habt ihr Maurer die Arbeit gethan?

Und sie werden, vertrauend ihm, sagen:

Sieh das Werk uns gnädiglich an;

Wie wir konnten in irdischen Hüllen,

Haben All' wir behauen den Stein,

Doch die Kraft nicht genügte dem Willen,

Laß der Schwäche den Willen gedeihn.

Welche Zeit ist's? wird weiter er fragen,

Und sie rufen: hoch Mitternacht, dann,

Doch dein Morgen fängt an uns zu tagen,

Führe, Meister, zu ihm uns hinan;

Und er winket, die Tempel zerfallen,

Und inwährend die Erde zerbricht

Und der Donner der Tiefen erschallen,

Ziehn die Brüder zum ewigen Licht.