Krieg und Friede
K. Rungenhagen
Es ertönt ein Lied vom Frieden;
Macht den Sängern Platz!
Denn Er ist fürwahr hieneiden
Gar ein grosser Schatz;
Und zu Felde gehn und kriegen
Ist kein Glück, und kein Vergnügen,
Saget an! Saget an!
Nicht zu Felde gehn und kriegen!
Menschenblut ist doch viel zu gut.
Heißt zwar Völker, überwinden,
Glorreich insgemein.
Glorreich können wir's nicht finden,
Glorarm mag's wohl sein.
Ohne Noth ist auch zu siegen
Uns kein Glück und kein Vergnügen:
Saget an! Saget an!
Wollen ohne Noth nicht siegen!
Menschenblut ist doch viel zu gut.
Wenn der Fürst nur leibt und lebet
Für den Unterthan,
Und das stille Haus Glück schwebet
Über Frau und Mann,
Und die Kinder in der Wiegen
Wohlgemuth und sicher liegen!
Saget an! Saget an!
Ja, du lieber Fürst!
Nicht kriegen!
Menschenblut ist doch viel zu gut.
Doch, wenn ohne Fug und Ehren
Jemand trotzt und droht,
Heerd und Altar zu zerstören;
-- Noth hat kein Gebot --
Dann zu kriegen und zu siegen,
Und zu schlagen, bis sie liegen,
Saget an! Saget an!
Das ist Recht, und ist Vergnügen:
Menschenblut ist dann nicht zu gut!