Nacht -- Ständchen

K. Seckendorff

In schwarzer Mitternacht,

da keine Seele wacht,

komm ich zu dir!

Und scheue, holdes Kind,

nicht Regen, Sturm und Wind,

vor deiner Thür.

Die Ruh ist mir verhaßt,

mein Herz hat keine Rast,

und meine Gluth

macht mir die kalte Luft,

in die mich Liebe ruft,

zum höchsten Gut.

Wenn ach! Zu dieser Frist

dein Aug noch wachend ist,

so zeig es mir!

Getröstet stimm' ich dann

ein frohes Danklied an,

gewiedmet Dir!

Alleine, schliefst du schon,

so wiege jeder Ton

dich träumend ein,

und lasse sanft und mild

doch wenigstens dein Bild

zugegen seyn.