Über's Schneefeld halle
K. Siemers
Über's Schneefeld halle frisch, mein Gesang,
Durch die Stille das schlummernde Thal entlang!
Kein Vöglein mehr singt.
Kein Bächlein mehr klingt.
Um so lauter kling' und schalle mein Lied,
Dem Eiswind zum Trotz, der entgegen dir zieht,
Um so kecker poch', um so frischer, mein Muth,
Um so heißer wall' und woge, mein Blut!
In der Sonne schimmern und flimmern die Höhn,
Und drunten die Tannen, wie schön, o wie schön!
Kein Zweiglein sich regt
Vom Winde bewegt.
Um so rascher eil' und schreite, mein Fuß,
Wie fernhin dein Tritt erknarren auch muß!
Ha! dringet der Frost durch Mark auch und Bein,
In das fröhliche Herz dringt er nimmer hinein!
Und der Himmel da droben, o schau, o schau!
Durchsichtig beinah das kristallene Blau!
Nur zartester Duft
In goldener Luft.
So freudig blitze, mein Auge, darein,
So klar und frisch soll's im Herzen mir sein,
Soll hallen mein Lied zurück von den Höhn:
Nicht der Frühling allein, auch der Winter ist schön!