Opfer

K. Weigl

Durch weiße Tempelhallen wandelst du

gemeßnen Schritts: es fließen die Gewänder

in strengem Wurf dem Marmorboden zu,

das Gold verachtend und den Schmuck der Bänder.

Zum Heiligtume trittſt du ernst und mild;

dreimal beugst du dein stolzes Knie dem Gotte;

dreimal füßt du sein kaltes, hohes Bild,

ein Schleier birgt es vor dem Blick der Rotte.

Das ew'ge Feuer glüht: mit stiller Gier

zehrt es am Öle und Olivenſtamme;

du nahst und wirfst ein Lockenhaar von mir,

dem Todgeweihten, in des Gottes Flamme.

Aus heißen Schmerzen wird das Lied geboren,

ich hut' es treu; und wenn die Stunde naht,

verhüllt es sich, und traumverloren

geht es zu suchen aus auf stillem Pfad.

Die andern weichen scheu von allen Wegen,

wo sich sein trånenfeuchter Schleier zeigt;

doch du trittst freudig ihm entgegen,

und dir enthüllt es sich und weint und schweigt.