Es lacht der Lenz
K. Weinberger
Es lacht der Lenz, da lachst du mit,
Hältst mit dem Lenze gleichen Schritt.
Ich schau' dem Lenz im Blühen zu,
Und denk', der macht es ganz wie du.
Im Schnee schon sproßten Glocken licht,
Da sprachst du mild: So traure nicht!
Der Herlitzbaum trug goldne Zier,
Da durft' ich jeden Tag zu dir.
Die Primel feucht im Taue scheint;
Da hat dein Aug' um mich geweint.
Die duft'gen Veilchen sind erwacht;
Da hast du betend mein gedacht.
Es fiel ein Schnee, der bald zerrann;
Du zürntest und verziehst mir dann.
Die erste Schwalbe flog ins Land;
Da hast du mir den Gruß gesandt.
Und Himmelschlüssel sind zu schau'n;
Dein Herz erschloß mir sein Vertrau'n.
Da schlug die Nachtigall im Wald;
Du frugst: Blüht nun die Rose bald?
Sie blüht! der Lenz ist rosenreich;
Mein Lieb, o sei dem Lenze gleich!