O du mein Kind

K. Wiener

O du mein Kind, das schlummernd mir genaht,

traumvollen Gangs mit tiefem Frageblick,

der keinen Weg erkannte dieser Irrnis,

wer sprach vom Leben dir?

O Schwester du, die meine Hand ergriff,

getreu und still und gleichen Schrittes ging,

in süßer Sorge ihres Bruders wartend,

wer gab Vertrauen dir?

Geliebte du, die meiner Seelen Flamme,

die hohe, nährte in Beseligung

und Glut herniedergoß von lichtern Sphären,

wer spendet Inbrunst dir?

O Mütterliche, wann zur Stunde einst

dein milder Schoß mich gar so Müden hegt,

vor dieser Welt zu bergen den Verirrten,

wer dann, wer heiligt dich?