Abendlied im Freien

K. Zelter

Phöbus, mit lockerem Zügel

Lenkst du die Roße zur Flut,

Rötest die grünenden Hügel

Scheidend mit purpurner Glut.

Feierlich nahen die Sterne

Wandelnd in lieblicher Pracht,

Dort in beleuchteter Ferne

Dämmert die Göttin der Nacht.

Mädchen und Jünglinge tanzen,

Festlich mit Kränzen umlaubt;

Schmachtende Blumen und Pflanzen

Heben das sinkende Haupt.

Herrschend in Florens Gebiete

Wehet erquickende Luft;

Prangend mit silberner Blüte

Spenden die Linden uns Duft.

Sei uns mit Liedern gegrüßet,

Liebliche heilige Nacht!

Heut' wird gescherzt und geküßet,

Heut' wirst du tanzend durchwacht.

Weile im fröhlichen Runde,

Wo man dir jubelt und singt,

Daß nicht zu frühe die Stunde

Da wir uns trennen erklingt.