Das Sträußchen

K. Zelter

Wehet ein Lüftchen

Aus fürstlichen Wäldern;

Da läufet das Mädchen,

Da läuft es zum Bach,

Schöpft in beschlagne

Eimer das Wasser.

Vorsichtig, bedächtig

Versteht sie zu schöpfen.

Am Flusse zum Mädchen

Schwimmet ein Sträuschen,

Ein duftiges Sträuschen

Von Veilchen und Rosen.

Wenn ich, du holdes

Blümchen, es wüßte,

Wer dich gepflanzet

In lockeren Boden;

Wahrlich! dem gäb ich

Ein goldenes Ringlein.

Wenn ich, du holdes

Sträuschen, es wüßte,

Wer dich mit zartem

Baste gebunden,

Wahrlich! dem gäb' ich

Die Nadel vom Haare.

Wenn ich, du holdes

Blümchen, es wüßte,

Wer in den kühlen

Bach dich geworfen,

Wahrlich! dem gäb' ich

Mein Kränzlein vom Haupte.«

Und so verfolgt sie

Das eilende Sträuschen,

Sie eilet vorauf ihm,

Versucht es zu fangen:

Da fällt, ach! da fällt sie

Ins kühlige Wasser.