Das Veilchen

K. Zelter

Blümchen der Demut, unter dichten Blättern

Birgst du zitternd die sanftgeneigten Kelche;

Und an niedern Boden verhauchen deine

Würzigen Düfte.

Hat dich nicht Flora mit dem Blau des Himmels

Hell umkleidet und netzt der Tau des Morgens

Nicht so schön dein Äthergewand als Purpur

Brechender Rosen?

Über dir steigt und sinkt die hohe Sonne,

Steigt und sinket das sanfte Licht der Nächte,

Und im Schatten schwindet dein unbelauschtes,

Schweigendes Leben.

Blümchen der Demut, du sollst so nicht sterben;

Komm und dufte, wo Götter dich beneiden;

Duft' an Laura's bebendem Unschuldbusen,

Blümchen, und stirb dann!