Die Braut am Gestade
K. Zelter
Schwarz wie Nacht, brausest du auf, Meer!
Wie wogt, wie krümmt sich und schäumt Brandung!
Wer? o Gott! fliegt in dem Sturm? wer?
Und fleht, die Hände gestreckt, Landung?
Ein weites Grab
Wogt furchtbar, zum Tod winkend!
Auf rollt's und ab,
Nun strudelt das Schiff sinkend!
Ach, ihr schweigt, Stimmen der Angst! schweigt!
Des Sturmwinds Totengesäng' hallen!
Ach des Kiels Scheitergeripp steigt,
Und Männer, ringend mit Tod, wallen!
Mein Trauter, du?
Todt wallest du, todt? Jammer!
Gib, Meer, uns Ruh'!
Sei beiden uns Brautkammer!
Also die Braut; und hoch vom Geklipp sprang
Sie hinab, wo die Fluth wild sich empor steilet.
Wehe, sie sank, hebt wieder das Haupt, sank!
Und des grausen Orkans Todtengeheul heulet!
Wer ist, der die Wogen hindurch strebt,
Wie mit göttlicher Kraft? O er lebt, lebt!
Schon trägt er, mit göttlicher Kraft
Sie dem brausenden Strudel entrafft;
Und gespornt vom zürnenden Fuß, zerschellen
Die Brandungen dort, hier sanftere Wellen.
Ihm ruht an dem Herzen die Braut, wird warm,
Und erwacht, o Wonn'! in des Lieblings Arm!