Gesang zum Jahresfeste der Luisenstiftung
K. Zelter
Begrüßet mit Tönen und Liedern den Tag,
Ihr Schwestern im traulichen Bunde!
Es ladet zur Feier der fröhliche Schlag
Der Glocke die feiernde Stunde.
Mit Unschuld im Herzen, mit Blumen im Haar,
Schmückt lieblich und festlich der Freude Altar!
Zwar trennt uns die Ferne von zärtlicher Brust,
Die mütterlich pflegend uns wärmte;
Die Kindlein umfaßte mit liebender Luft,
Bei Tränen und Schmerzen sich härmte;
Mit Nektar uns tränkte, mit Liebe uns hob,
Mit Blumen und Freuden das Leben umwob.
Doch, trennt auch die Ferne von zärtlicher Brust,
Nie trennen sich liebende Herzen;
Es stillet mit seligen Schauen der Luft
Erinn'rung balsamisch die Schmerzen,
Und läutert die Liebe und heiligt den Sinn,
Und leitet die Sehnsucht zum Göttlichen hin.
In Wort und in Lehren fliehst golden und hell,
Wie Lichtglanz von sonnigen Höhen,
Hier, himmlische Wahrheit! dein segnender Quell:
Mit höherer Ahnung zu sehen,
Zu fühlen, was hier unser Leben beglückt,
Zu schmecken, was hier schon die Seele entzückt.
Hier strahlet, o Freundschaft! im rosigen Hain
Dein Tempel so ruhig und milde,
Und täglich die lieblichsten Blumen wir weihn
Hier opfernd dem himmlischen Bilde!
Wenn, Freundschaft! dein Atem der Erde entflieht,
Sei hier noch dein Himmel, ertöne dein Lied!
Du seliger Schutzgeist, dies danken wir Dir,
Der sanft diese Stätte umschwebet!
O Engel Luisens, weich nimmer von hier,
Daß ewig die Freude hier lebet!
Dies Freuen, dies Lieben, dies kindliche Sein!
Hier Kinder, dort Engel, und ewig dann Dein!