Lied
K. Zelter
Meine Blüten sind zernagt
Von der Schwermuth Wurme
Meine Blätter abgejagt
Vom Verzweiflungssturme.
Meine frühentsprossne Blume
Wuchs am Tugendheiligthume
Hoch herauf!
Schön herauf! --
Aber, ach! sie ist gewelkt, gebrochen!
Thät der Sonne Mutterstrahl
Ihr nicht täglich leuchten?
Zwang ich nicht den Quell im Thal,
Täglich sie zu feuchten?
Schwunden ist der Strahl der Sonnen,
Und das Bächlein ist verronnen.
Hingewelkt,
Frühgewelkt,
Sinkt nun meine schöne, schöne Blume.
Meiner Tage Lenz ist hin.
Hab' ich ihn genossen?
Bringt der Acker mit Gewinn,
Den sein Strom durchflossen?
Ach! der Schwermuth Todesschwalle
Flossen durch die Äcker alle
Hin mit ihm,
Trübten ihn --
Darum trägt der Acker Dorn und Distel!
Dorn und Distel wollt' ich nicht
Meinem Acker säen,
Wollte, was mir nun gebricht,
Reinen Weizen mähen. --
Ach! damit ich nun nicht darbe,
Nicht im Herbst und Winter sterbe,
Komm, o Mann,
Schnittermann,
Komm und samle mich in deine Scheuren!