Die lange Winternacht

R. Kahn

Die lange Winternacht will nimmer enden;

Als käm' sie nimmermehr, die Sonne weilet;

Der Sturm mit Eulen um die Wette heulet;

Die Waffen klirren, an den morschen Wänden.

Und off'ne Gräber ihre Geister senden:

Sie wollen, um mich her im Kreis vertheilet,

Die Seele schrecken, daß sie nimmer heilet; -

Doch will ich nicht auf sie die Blicke wenden.

Den Tag, den Tag, ich will ihn laut verkünden!

Nacht und Gespenster werden vor ihm fliehen:

Gemeldet ist er schon vom Morgensterne.

Bald wird es licht, auch in den tiefsten Gründen:

Die Welt wird Glanz und Farbe überziehen,

Ein tiefes Blau die unbegränzte Ferne.