Lied der Freundschaft

R. Kahn

Der Mensch hat nichts so eigen

So wohl steht ihm nichts an,

Als daß Er Treu' erzeigen,

Und Freundschaft halten kann;

Wann er mit seines gleichen

Soll treten in ein Band,

Verspricht sich nicht zu weichen,

Mit Herzen, Mund und Hand.

Die Red' ist uns gegeben,

Damit wir nicht allein

Vor uns nur sollen leben

Und fern von Leuten sein;

Wir sollen uns befragen

Und sehn auf guten Rat,

Das Leid einander klagen,

So uns betreten hat.

Was kann die Freude machen,

Die Einsamkeit verhehlt?

Das gibt ein doppelt Lachen,

Was Freunden wird erzählt;

Der kann sein Leid vergessen,

Der es von Herzen sagt;

Der muß sich selbst auffressen

Der in Geheim sich nagt.

Gott stehet mir vor Allen,

Die meine Seele liebt;

Dann soll mir auch gefallen,

Der mir sich herzlich gibt;

Mit diesen Bunds-Gesellen

Verlach' ich Pein und Not,

Geh' auf den Grund der Höllen

Und breche durch den Tod.

Ich hab', ich habe Herzen

So treue, wie gebührt,

Die Heuchelei und Schmerzen

Nie wissentlich berührt;

Ich bin auch ihnen wieder

Von Grund der Seelen hold,

Ich lieb' euch mehr, ihr Brüder,

Als aller Erden Gold.