Sturmlied

R. Kahn

In Meerestiefen,

Auf altem Thurm,

In Felsenhöhlen,

Da schläft der Sturm.

Die Haare fallen

Ihm in's Gesicht,

Die Glieder starren --

Er merkt es nicht,

Er schläft und schläft.

Da kommt von ferne

Verworr'ner Klang,

Wie Ächzen tönt es,

Wie Schlachtgesang.

In scheuer Eile

Zieht's schwarz herbei,

Dazwischen klingt es

Wie Jubelschrei:

Hussah! Hussah!

Hei, wie der Alte

Vom Boden springt!

Gell pfeift er, daß es

Die Luft durchdringt.

Er schwingt sich wild auf

Sein wiehernd Roß,

Und um ihn drängt sich

Der Wolken Troß,

Hussah! Hussah!

Nun wahr dich Erde,

Nun wahr dich, Meer,

In Lüsten brauset

Der Sturm daher.

Nun beugt euch, Wälder,

Nun kniee, Saat,

Springt an, ihr Wogen,

Ein König naht!

Heil! Heil!

Ihr Menschen flüchtet

Und kriecht in's Haus,

Die Flammen löscht nun,

Die Feuer aus,

Daß nicht des Heerdes

Geweihte Gluth

Empört sich wende

Und zehr' das Gut.

Gnade! Gnade!

Die Höhen brausen,

Es wankt der Grund,

Die Glocken beten

Mit ernstem Mund:

Empor die Augen,

Der Sturm is da --

In Sturm und Wetter

Der Herr ist nah!

Hallelujah!