Wanderlied

R. Kahn

Lustig Blut und frische Lieder,

So gebührt's dem Wandersmann;

Berg hinauf und Thal hernieder

Ficht ihn sonst das Heimweh an.

Ging ich singend sonder Ruh

Manche Meil' in lauter Wonnen.

Süßer klarer Liedesbronnen,

Riesele, riesele immerzu!

Wenn der Wald thut kühlig rauschen

In der warmen Sommerluft,

Müssen Eich' und Linde lauschen

Auf den Klang aus meiner Brust.

Ob auch reißen Rock und Schuh,

Jauchze doch im Schein der Sonnen.

Süßer klarer Liedesbronnen,

Riesele, riesele immerzu!

Aber so die Winde streichen

Und regieren über Feld,

Sing' ich allestund ingleichen,

Bis die Trübe sich erhellt.

Denke dann: Du Wetter du,

Bist vor meinem Sang zerronnen.

Süßer klarer Liedesbronnen,

Riesele, riesele immerzu!

Und in Dörflein und in Städtchen

Zieh ich nur mit Liedern ein;

Alle tugendlichen Mädchen

Nicken mir vom Fensterlein.

Habe gleich als wie im Nu

Einen herzigen Schatz gewonnen;

Süßer klarer Liedesbronnen,

Riesele, riesele immerzu!