Eine Thräne
Karl August Friedrich Fetzer
Rinne, rinne leise
Meine Thräne du
Im gewohnten Gleise
Meinem Busen zu.
Auf meinen Wangen magst du sehn,
Ob frisch noch da die Rosen stehn?
Rinne, rinne leise
Meine Thräne du!
Thräne, nicht vergebens
Bist du voll und groß:
Schwimmt doch meines Lebens
Glück in deinem Schooß.
Es schwimmt in dir so viel, so viel,
Mein Lieben und mein Saitenspiel --
Thräne, nicht vergebens
Bist du voll und groß!
Immer magst du fallen,
Bist die letzte nicht:
Meine Lippen lallen
Wohl noch manch Gedicht,
Und meine Liebe sinnt und wacht,
Und träumt von ihr bei Tag und Nacht --
Bist du schon gefallen?
Bist die letzte nicht!