Des Kindes Einschlafen
(Karl) Friedrich Curschmann
Ihr lieben, lieben Sterne
Im Felde von Sapphier,
Wie gehet ihr nun ferne
Und fremd vorbey an mir!
Ach! euer Goldgefunkel
Wie schien's mir nah' vertraut,
Wenn ich durch stilles Dunkel
Als Kind emporgeschaut.
Ich kenne noch die Weise
Und auch den Reim dazu,
Mit dem die Mutter leise
Mich damahl sang in Ruh':
»O schlumm're schlumm're, mein Liebchen!
»Die Engel bewachen dein Stübchen.
»Sie kommen auf gold'nen Flügelein,
»Und sitzen zu dir in das Bett hinein;
»Sie harfnen und singen dir Lieder in's Ohr,
»Und spielen dir schöne Traume vor.
»O schlumm're, schlumm're, mein Liebchen!
»Sie warten schon vor dem Stübchen."
Und Mütterchen blies die Lampe aus,
Da wurd' es finster und still' im Haus';
Die Sterne nur mit dem goldenen Schein
Die glänzten durch's klare Fenster herein.
Ich dachte: »das werden die Engel seyn.»
Und machte getröstet die Augen zu,
Und träumte hinüber in wonnige Ruh!
Ach! da ich frisch und heiter
Noch war ein kleiner Knab,
Da stiegen Jacobs Leiter
Die Engel auf und ab.
Doch nun ist rings verschwunden
Die freundliche Magie,
Des Jünglings dunkle Stunden
Besuchen Engel nie.
Nur todte Massen eilen
Durch's schwarze Nachtrevier
Viel Millionen Meilen
Von meinem Harm und mir. --
Der Glanz, in dem sie schimmern,
Ist auch nur irdisch Licht,
Sie rollen fort, und kümmern
Sich um die Menschen nicht.