Der Wunsch
Karl Friedrich Ludwig Hellwig
Suchst dir ein Glück, das deinem Herzen
Unendlich schätzbar ist,
So klage nicht, wenn unter Schmerzen
Dein Leben dir verfließt!
Wenn du das süße Gift zu meiden,
Den Wunsch nicht schnell verscheuchst,
So thu Verzicht auf alle Freuden,
Wenn du ihn nicht erreichst.
Du horchst dem Lied der Nachtigallen,
Sie singen nicht für dich.
Es wachsen Blumen, und von allen
Blüht keine mehr für dich.
Du siehst die Sonn' am Himmel scheinen,
Und Freuden um dich her,
Willst lächeln, ach, und kannst nur weinen,
Hast keine Freude mehr.
Im Innern deiner Seele wüthet
Der Gram, der dich verzehrt,
Und über jeder Freude brütet
Der Wurm, der sie zerstöhrt.
Noch einen Trost will ich dir sagen:
Leg deine Hand aufs Herz! --
Dies Herz, das hört einst auf zu schlagen,
Dann endet auch dein Schmerz.