Ich denke Dein

Karl Friedrich Ludwig Hellwig

Ich denke Dein, wenn schöpferlich die Sonne

Empor am grauen Morgenhimmel steigt,

Und wenn die Kelche neuer Lebenswonne

Der junge Lenz erstorbnen Fluren reicht.

Ich denke Dein, wenn seines Brandes Fluthen

Herniedergießt des Mittags Flammenstrahl,

Und wenn, entflohn den sommerlichen Gluthen,

Mich Kühlung labt und heitrer Freunde Mahl.

Ich denke dein, wenn Phöbus scheidend nieder

In's Meer auf goldner Abendwolke sinkt,

Und wenn die Pfirsche, wenn die Traube wieder

Mir an dem herbstlichen Geländer winkt.

Ich denke dein, wenn Mond und Sterne schimmern

Hoch an der Schöpfung nächtlichem Azur,

Und wenn des Eises Diamanten flimmern

Am Prachtgewand der winterlichen Flur.

So rufen mich des Lebens alle Zeiten

Zur dir, zu Dir mit süßem Drang zurück,

Und selbst die leise Bebung dieser Saiten

Erschuf mir nur dein liebevoller Blick.