Nachtgedanken

Karl Gottlieb Reissiger

Stille Nacht, du schwebst hernieder,

Senkest dich auf Tal und Flur,

Und dein dunkeles Gefieder

Fächelt Ruhe der Natur;

Nur die Geister herber Schmerzen,

Von des Lebens Sturm bewegt,

Schlafen nicht im wunden Herzen,

Wachen, bis es nicht mehr schlägt.

Schweiget, schweiget, ihr Gesänge,

Sanfter Nachhall einst'ger Lust,

Tönet nicht wie Harfenklänge

In der Schmerz-erfüllten Brust;

Fliehet, farbenreiche Bilder,

Aus des Busens tiefsten Raum,

Nein, nicht fliehet, aber milder

Zeigt euch im Erinnrungstraum.