Sind es Schmerzen, sind es Freuden

Karl Ludwig Friedrich Hetsch

Sind es Schmerzen, sind es Freuden,

Die durch meinen Busen ziehn?

Alle alten Wünsche scheiden,

Tausend neue Blumen blühn.

Durch die Dämmerung der Tränen

Seh' ich ferne Sonnen stehn, -

Welches Schmachten! welches Sehnen!

Wag' ich's? soll ich näher gehn?

Ach, und fällt die Träne nieder,

Ist es dunkel um mich her;

Dennoch kömmt kein Wunsch mir wieder,

Zukunft ist von Hoffnung leer.

So schlage denn, strebendes Herz,

So fließet denn, Tränen, herab,

Ach, Lust ist nur tieferer Schmerz,

Leben ist dunkeles Grab, -

Ohne Verschulden

Soll ich erdulden?

Wie ist's, daß mir im Traum

Alle Gedanken

Auf und nieder schwanken!

Ich kenne mich noch kaum.

O, hört mich, ihr gütigen Sterne,

O höre mich, grünende Flur,

Du, Liebe, den heiligen Schwur:

Bleib' ich ihr ferne,

Sterb' ich gerne.

Ach, nur im Licht von ihrem Blick

Wohnt Leben und Hoffnung und Glück!