Im Meer

Klaus Miehling

Der Himmel hängt, wie Blei so schwer,

Dicht auf dem wildempörten Meer;

Ein englisch Segel, fast die Quer,

Schießt wie ein Pfeil darüber her.

Ein Messer, so das Meer sich schliff,

Da starrt ein blankes Felsenriff

Und schlitzt das Engelländerschiff;

Das Meer thut einen guten Griff.

Viel tausend Bibeln sind die Fracht,

Die sinken in die Wassernacht;

Schon hat in düstrer Schuppenpracht

Das Seevolk sich herbeigemacht.

Da wimmelt es von Schlang' und Fisch,

Sie sitzen am Korallentisch,

Her schießt der Leviathan risch:

Was ist das für ein Flederwisch?

Die Meerschlang', als die Königin,

Kommt auch und blättert her und hin;

Sie alle lesen emsig drin

Und forschen nach dem dunkeln Sinn.

Sie ziehn den Missionär empor

Und halten ihm die Bibel vor:

Doch der zu schweigen sich verschwor,

Das Meer durchbraust sein taubes Ohr!