Die sonnige, wonnige Welt
L. Bonvin
Das ist des Lenzes belebender Hauch,
Der atmet durch Flur und Feld!
Schon schlägt die Drossel im Erlenstrauch,
Die Lerche singt und der Buchfink auch:
O du sonnige, wonnige Welt!
Bald kommt der Mai und der Wald wird grün
Und wölbt sein duftiges Zelt!
Die weissen Wolken am Himmel ziehn,
Der Apfelbaum und die Rose blühn:
O du sonnige, wonnige Welt!
Ihr Knaben und Mädchen, nun kränzt das Haupt,
Zum Tanz um die Linde gesellt!
Was heute prangt, ist morgen entlaubt
Und es schneit und stürmt, bevor ihr es glaubt,
In die sonnige, wonnige Welt.
Die Tage verrauschen in Lust und in Leid,
Wie Pfeile, vom Bogen geschnellt:
O jubelt und lacht, denn es kommt die Zeit,
Bevor ihr es glaubt, wo es stürmt und schneit
In die sonnige, wonnige Welt.
Mein alter Klausner, wie heiß in den Bart
Die heimliche Thräne dir fällt!
Du seufzest in Trauer am Ende der Fahrt:
Ihr sonnigen Lenze, wie schön ihr war't!
Leb' wohl, du wonnige Welt!