Regentag
L. Bonvin
Der Tag ist kalt und trüb und traurig;
Es regnet, und der Wind weht schaurig;
Noch hält sich der Wein an der morschen Wand,
Doch der Sturm wirft die todten Blätter aufs Land,
Und der Tag ist trüb und traurig.
Mein Leben ist kalt und trüb und traurig;
Es regnet, und der Wind weht schaurig;
Noch hält sich mein Geist an geschwundener Zeit,
Doch die Träume der Jugend verwehten so weit,
Und die Tage sind trüb und traurig.
Sei still, mein Herz! und laß dein Weinen;
Durch Wolken sieh die Sonne scheinen;
Was du auch trägst, trägst du nicht allein:
In jedes Leben braust Sturm hinein,
Mancher Tag muß sein trüb und traurig.