Heute scheid' ich, heute wandr' ich
L. Flügge
Heute scheid' ich, morgen wandr' ich,
Keine Seele weint um mich.
Sind's nicht diese, sind's doch and're,
Die da trauern, wenn ich wand're,
Holder Schatz, ich denk' an dich.
Auf dem Bachstrom hängen Weiden;
In den Thälern liegt der Schnee;
Trautes Kind, daß ich muß scheiden,
Muß nun uns're Heimath meiden,
Tief im Herzen thut mir's weh.
Hundert tausend Kugeln pfeifen
Über meinem Haupte hin.
Wo ich fall', scharrt man mich nieder,
Ohne Klang und ohne Lieder:
Niemand fraget, wer ich bin.
Du allein wirst um mich weinen,
Siehst du meinen Todesschein.
Trautes Kind! sollt' er erscheinen,
Thu' im Stillen um mich weinen,
Und gedenk' auf immer mein.
Hörst? die Trommel ruft, zum scheiden;
Drück' ich dir die weiße Hand!
Still die Thränen! laß mich scheiden!
Muß nun für die Ehre streiten,
Streiten für das Vaterland.
Sollt' ich unter'm freien Himmel
Schlafen in der Feldschlacht ein,
Soll aus meinem Grabe blühen,
Soll aus meinem Grabe glühen,
Blümchen süß: Vergiß nicht mein.