Wandrer, lass' das Bäumlein steh'n

L. Grünberger

Wand'rer, laß das Bäumlein steh'n

In der Blüthen Schimmer!

Magst ein Weilchen nach ihm seh'n,

Doch begehr' es nimmer!

"Nein, ich heb' es mit der Hand

Aus der Heimatherde,

Daß es dort im fernen Land

Schmuck und Zierde werde."

Wand'rer, laß das Bäumlein steh'n!

Weißt es nicht zu pflegen;

In der Gluth wird es vergeh'n

Auf den heißen Wegen.

"Nein, ich trag' es scheu und sacht

Und ich will schon sorgen,

Daß es Thau hat in der Nacht,

Sonnenschein am Morgen."

Wand'rer! laß das Bäumlein steh'n,

Daß es friedlich lebe,

In der Heimathlüfte Weh'n

Seine Krone webe!

"Nein, des Südens Wärme soll

Wohlig es durchdringen.

Und von Liedern wonnevoll

All' sein Laub erklingen!"

Wand'rer, laß das Bäumlein steh'n!

Nimmer wird's Dein eigen,

Siehst Du's nicht in stillem Fleh'n

Seine Blüthen neigen?

"Nein, dies Neigen ist ein Wink,

Ist ein Grüßen leise;

Bäumlein, komm'! wir wandern flink,

Segn' uns Gott die Reise!"