Abendlied

L. Hoffmann

Die Sonne senkt sich nieder,

Die stille Nacht kommt wieder

Und mit ihr Schlaf und Ruh'.

Sie bringt uns neue Kräfte,

Beschließt des Tags Geschäfte

Und drückt die milden Augen zu.

Noch wach ich und erzähle

Mit tiefgerührter Seele,

Herr, was du mir getan.

Dich preiset mein Gemüte

Für alle Gnad' und Güte:

Herr! Nimm mein stilles Loblied an!

Von dir kommt jede Gabe,

Das Leben, das ich habe,

Die Ruhe dieser Nacht.

Du bist der Quell' der Güter,

Mein Schutz und treuer Hüter,

Der, wenn ich schlummre, für mich wacht.

Du lässt es finster werden

Und hüllst den Kreis der Erden

In tiefe Dunkelheit.

Doch auch in dunkler Stille

Wohnst du mit deiner Fülle

Und zeigst uns deine Herrlichkeit.

Du führst aus weiter Ferne

Den Mond und tausend Sterne

Mit Majestät herauf.

Sie leuchten dir zur Ehre

Hoch über Land und Meere,

Und deine Hand lenkt ihren Lauf.

Als Zeugen deiner Stärke

Stehn lauter Wunderwerke

In deiner Schöpfung da.

Und du, der sie bereitet

Und Mond und Sterne leitet,

Bist auch im Staub mir innig nah.

Groß, wenn der Morgen tauet,

Groß, wenn der Abend grauet,

Groß in der stillen Nacht.

Im Sonnenschein, im Sturme,

Am Menschen und am Wurme,

Groß zeigst du, Schöpfer, deine Macht!

Drum schwinde alles Grauen,

Drum will ich kindlich trauen,

Denn du versorgst auch mich.

Ja, Vater, ich befehle

Dir freudig Leib und Seele.

Du bist mein Gott, ich hoff auf dich!

Lass dir mein kindlich Lallen

Durch Jesum wohl gefallen

Und segne meinen Geist,

Bis er, im Grund erneuert,

Den großen Sabbat feiert,

Wo aller Sel'gen Schar dich preist.