Abschied

L. Hoffmann

Was macht ihr, daß ihr weinet

und brechet mir mein Herz?

Im Herrn sind wir vereinet

und bleiben's allerwärts.

Das Band, das uns verbindet,

löst weder Zeit noch Ort;

Was in dem Herrn sich findet,

das währt in Ihm auch fort.

Man reicht sich wohl die Hände,

als sollt's geschieden sein,

und bleibt doch ohne Ende

im innigsten Verein.

Man sieht sich an, als sähe

man sich zum letztenmal,

man bleibt in gleicher Nähe

beim Herrn doch überall.

Man spricht: ich hier, du dorten,

du ziehest, und ich bleib'!

Und ist doch allerorten

ein Glied an einem Leib;

Man spricht vom Scheidewege

und grüßt sich einmal noch,

und geht auf einem Stege

in gleicher Richtung doch.

Was sollen wir nun weinen

und gar so traurig seh'n?

Wir kennen ja den Einen,

mit dem wir alle gehn

in einer Hut und Pflege,

geführt von einer Hand,

auf einem sichern Wege

ins eine Vaterland.

So sei denn diese Stunde

nicht schwerem Trennungsleid,

nein, einem neuen Bunde

mit unserm Herrn geweiht!

Wenn wir uns Ihn erkoren

zu unserm höchsten Gut,

sind wir uns nicht verloren,

wie weh auch Scheiden tut!