Am Pfingstfest

L. Hoffmann

Es prangen Haus und Garten,

Geschmückt mit grünen Mai'n;

O du, den wir erwarten,

Wann ziehst du bei uns ein?

Sieh', meiner Seele banget

Nach dir mit Sehnsuchtsschmerz,

O komm' in meine Hütte,

O zieh' in dieses Herz!

Zwar willst du nur erscheinen,

Wo hell und blank das Haus;

Die Heiligen, die Reinen

Wählst du vor Allen aus!

Doch, wenn ich gläubig flehe:

"Tritt auch in meine Thür!"

So schmückst du meine Seele

Wohl auch zum Tempel dir!

Drum bin ich froh und schaue

Vertrauend auf zum Licht.

Die Huld, auf die ich baue,

Verschmäht mein Hoffen nicht;

Und wenn ich lange Tage

Zu dir umsonst gefleht:

So weiß ich, daß mein Sehnen

Doch in Erfüllung geht.

Dann wird er kund sich geben,

Der spüße Himmelsgast,

Und von der Brust mir heben

Jedwede Kummerlast.

Wird in das Herz mir hauchen

Den schönen, reinen Sinn,

Durch den, in Gottes Augen,

Ich wohlgefällig bin.

Mit Kraft und heil'gem Muthe,

Mit Liebe inniglich,

Und jedem Himmelsgute

Wird er beschenken mich, -

Wird Frieden mir gewähren,

Und Freud' im tiefsten Leid,

Und mich besiegen lehren

Die Trübsal' dieser Zeit.

Tief, in des Busens Gründen,

Auf schweigendem Altar,

Wird er ein Feuer zünden,

Unsterblich, rein und klar.

Das wird die Thränen trocknen,

Und zu den Himmelshöh'n,

Ein schönes Bundes-Zeichen,

In lichten Flammen wehn.

O heil'ger Geist, erscheine!

Still' meiner Sehnsucht Schmerz!

Erwecke, heil'ge, reine

Die Lippen, Geist und Herz!

Es prangen Haus und Garten,

Geschmückt mit grünen Mai'n;

Geist Gottes, Heilverkünder,

O ziehe bei uns ein!