Der Apfel
L. Keller
Gestern Abend strömte Regen nieder,
[in der Nacht war Glatteis d'rauf gefallen.
Und ich ging, den Liebsten aufzusuchen].
Sieh', da fand ich auf der grünen Wiese,
auf der Wiese meines Liebsten Dolman;
auf dem Dolman lag sein seiden Tüchlein,
d'rauf von Silber seine Tamburine,
bei der Tamburin' ein grüner Apfel.
Und ich sann, ein jedes übersinnend:
Wenn ich weg des Liebsten Dolman nähme,
fürcht' ich, dass der zarte Jung' erfröre;
Wenn ich weg das seid'ne Tüchlein nähme,
war das Tuch einst meiner Liebe Gabe;
wenn ich weg die Tamburine nähme,
ist sie ein Geschenk von meinen Brüdern.
Sann und sann, bis ich das Ein' ersonnen:
In den grünen Apfel will ich beißen,
will ich beißen, aber nicht ihn essen,
dass er wisse, ich sei da gewesen,
da gewesen, meinen Freund zu suchen.