Treubruch
L. Keller
Ich floh zum Meeresstrand,
Um's einsam zu ermessen:
Kann denn ein Weib, das liebt,
Der Liebe je vergessen?
Ja! wie die Fluth sich bricht
Am Fels, hat sie gebrochen
Die Treu, und mir das Herz
Mit einem Schwert durchstochen!
Und wie vom Strand zurück
Fernhin die Wogen wandern,
Zog ins Verderben sie,
Bethört von einem Ander'n.
So bitt're Thränen d'rum
Sind nie ins Meer gefallen,
Wie meine, seit es rauscht,
Und seit die Sterne wallen!