Der Tod des Sardanapal

L. Kempter

Arbakes' Kriegsvolk steht vor Ninive. --

Jäh aufgescheucht vom Pfühl und goldnen Rocken,

Vom Wollespinnen und von Weibergluth,

Erbleicht im Königsglanz Sardanapal.

Und vor den Thoren glitzern in der Sonne

Der Meder Waffen, gleich dem Schuppenleib

Der Schlange, die sich windet um ihr Opfer.

Die Weiber flüstern. Leis durch den Palast

Des Sanherib schwebt Dämm'rung, Angst und Staub.

Die Hallen stehn verwaist. Die bleiche Sonne

Vergoldet matt die Bilder an den Wand

Und gleitet lächelnd in verlornem Staunen

Von Spruch zu Spruch, als wollt' sie im Verglüh'n

Die alte Weisheit der Chaldäer deuten.

In tiefem Schweigen steht Sardanapal

Am Fensterbogen, starrend in die Sonne,

Die sich, erbleichend, über Assur neigt.

Ein weites, blendend-weißes Wollenkleid

Verhüllt den Leib, die lustgewohnten Glieder,

Die längst nicht mehr der Waffen Druck beschwert,

Von glüh'nden Frauenhänden nur betastet.

Und Spangengold erglänzt um Stirn und Arm.

Westwärts gewendet, Sonne in die Augen,

Und traumverlorend spricht der König nun:

"Die Sonne Assur's will sich blutend neigen

Und Waffenlärm verdrängt den süssen Ton

Der Wonne, die ein König sich erkoren.

Assyrien's Rose, duft- und gluthverschönt,

Zertreten wird sie von den plumpen Hufen

Der Mederhorde, und ein Traum erbleicht. --

Wo steckt ihr, Sklaven? Häuft mir Holz zum Stoß,

Jagt mir die Weiber von den warmen Kissen,

Schleppt Goldgeräth und Waffen und Juwelen,

Des Hauses Schatz, gehäuft vor den Palast!!!

Denn Abschied will ich von der Erde nehmen,

Bekränzt mit Rosen: schweben soll ein Rauch

Von Myrrhen, Ambra, Sandelholz, Elektron,

Betäubend Herz und Sinn der ewigen Zeit,

Und duftend fremd den heil'gen, goldnen Stieren,

Ein süßes Opfer des Sardanapal!" --

Die Sklaven rennen. Schon erhebt sich doch,

Bedeckt mit Fellen, Goldgeschmeid' und Blumen,

Der Holzstoß in die abendrothe Luft.

Und droben thront, in Pracht und Traum versunken,

Den Blick zur Sonne, Funken holden Licht's

Im milden Auge, stolz Sardanapal.

Und um ihn lagern, lächelnd in das Licht,

Das scheidend matt die Goldgeräthe küßte

Und blendend über nackte Schultern glitt,

Die süßen Weiber, Assur's Rosenflor.

Die Kniee' umklammert des Gewaltigen,

Von Liebe lohend, hingewandt den Blick

Des Sonnenaug's zum Herrscher ihres Herzens,

Die Favoritin, jauchzend in den Tod.

Daneben ruht die ungeberdige Kleine,

Die Blonde, die nicht willig sterben wollten,

Nackt, von der Geißel sausend-scharfen Schlägen

Die Seidenhaut zerfetzt, im Golde -- todt.

Im jungen Busen steckt der harte Stahl. --

Und Blumenduft und Gold und Ambrawolken

Und süße Töne künden letzte Gluth.

Die Flammen lodern. Klingend an die Becken

Und goldnen Schaalen pocht des Todes Knöchel

Und singend spielt das Feuer mit den Rosen

Und leckt das Gold und küßt des Königs Füße,

Der träumend in die ferne Röthe blickt. --

Die Sonne sinkt und ihre letzte Gluth

Mischt sich erbleichend in den Königsglanz,

Der duftumwölkt in ewigen Frühling geht...