Der Volksgesang

L. Kempter

Gleich wie in stiller Mondesnacht --

Ein Zauber liegt im Volksgesang!

Ertönt in seiner stillen Pracht

Wie auf der Flur der Glockenklang.

Er singt vom trauten Heimatland,

Vom Abendstern und Tannenbaum,

Vom Mondenschein und Heidesand,

Und von des Nordmeers Wogenschaum,

Der freien deutschen Brust entsprungen,

Ist er durch Berg und Tal gedrungen,

In Lust und Leid,

So weit, so weit.

Er singt von Sehnsucht, Lieb' und Reu,

Von Frühlingsnacht und Windersnot,

Von Mutterlieb und Muttertreu,

Vom Scheiden und vom frühen Tod.

Es klingt so eigen, wehmutbang,

Von Herz zu Herz, von Mund zu Mund.

Wer hat erdacht den Volksgesang?

Kein Meistername wird uns kund!

Der freien deutschen Brust entsprungen,

Ist er durch Berg und Tal gedrungen,

In Lust und Leid,

So weit, so weit.