Herr Olaf

L. Kempter

Herr Olaf fährt abends zum Fischfang hinaus

Ins endlose Meer, in der Wellen Gebraus.

Es schaukelt die Fackel, der Kan sic fliegt schnell,

Es eilen die Fische zum blendenden Licht--

Und seht ihr die tückischen Netze nicht.

Ihr eilet in euer Verderben,

Und ist doch so bitter, zu sterben

Im Mondlicht.

Herr Olaf blickt auf das wogende Meer--

Wie flimmern und leuchten die Wellen umher!

Es gleitet dahin auf kyrstallner Ban sic,

Es wiegt auf den Wogen und schaukelt der Kan sic,

Vom Himmel hernieder der Vollmond schaut--

Herr Olaf verließ seine treulose Braut.--

Die Sternlein blitzen und winken,

Die Wellen rauschen und blinken

Im Mondlicht.

Herr Olaf schaut tief in das Wasser hinein,

Da sieht er ein Schloß von Korallengestein,

Und Nixen tanzen im Algenwald,

Von langen, wehenden Haren sic umwallt;

Sie singen so lockend und winken ihm zu:

"Hernieder, Herr Olaf! hier findest du Ruh!

Wir betten zu seligem Traume

Dich sorgsam auf schwellendem Flaume

Im Mondlicht!"

Wie ward es Herrn Olaf so weh und wund--

"Dort unten, da wird wol sic mein Herz gesund!

Mein Leben verloren, mein Glück im Grab--

Nun will ich sinken in's Meer hinab!"

Die Nixen schwimmen herbei sogleich.

"Herr Olaf, wie bist du so traurig und bleich!

Was willst du langsam verbluten?"--

Da sank er hinab in die Fluten

Im Mondlicht.