Deutsche Sprüche von Leben und Tod

L. Lechner

Alles auf Erden

stets mit Gefährden

des Falls sich wendet,

hin und her ländet.

Auch Sonn, Mond und Sterne

Wittrung bewähren

samt den Jahrzeiten

Unbeständigkeiten.

In Gottes Händen

alls steht zu enden:

sein wir geduldig

erwarten schuldig.

Gedenk mit nichten

dich bständig z'richten

in die Welt gfährlich

drin nichts beharrlich.

Wenn sich erschwinget

das Glück, dir g'linget,

tu nit drauf bauen,

ihm z'viel vetrauen.

So überfallen

dich Trübsals Qualen,

sei nit kleinmütig,

murrend, ungütig.

Was jetzt im Laufen

liegt bald zu Haufen,

das kann sich schicken

all Augenblicken.

Weil dann so unsteht

dies Schiff der Welt geht,

so laßt uns denken,

wohin zu lenken.

Wir Menschen reisen

gleich armen Waisen,

die sind mit Sorgen

ungewiß, wo morgen.

Heint frisch, wohlmächtig,

gsund, schön und prächtig:

morgen verdorben,

tot und gestorben.

Wir wöllen kehren

zu Gott dem Herren,

uns nach seim Gfallen

richten in allem.

Ihn fürchten, lieben,

sein Wort stet üben.

Er wird erbarmen

sich unser Armen.

Sein Gnad und Güten

wird uns behüten,

trösten, entbinden

von unsern Sünden.

Sein Hand wird retten

aus allen Nöten:

wir leben, sterben,

jetzt nit verderben.

Nach diesem Leiden

er ewig Freuden

uns schenkt ohnfehlig.

Dann sind wir seelig.