Sommergang in die Heimat

L. Lenz

Wie traurig sehn die Au'n und Matten!

Die Sonne brennt, die Luft ist schwül,

Kein flüchtig Wölkchen bringt uns Schatten,

Kein Bäumchen säuselt sanft und kühl.

Wer aber trägt nicht gern ein Leid

In solcher heißen Sommerzeit!

Ist auch der Tag so drückend schwül,

Der Abend wird ja labend kühl,

Wenn man wie wir zur Heimath zieht

Und all die Lieben wiedersieht!

Und Abend wird's, die Sonne sinket,

Thau träuft herab auf Au und Feld,

Und aus dem nahen Walde blinket

Ein Thurm vom Abendroth erhellt.

Ein Stündlein noch, dann sind wir da!

Dann ist das Herz dem Herzen nah,

Und Mutterlieb' im Vaterhaus

Gießt ihre Sonnenstrahlen aus,

Und was auf Blumen Thau hier war,

Ist Freudenthrän' im Augenpaar.