Der erste Schnee

L. Lewandowski

Willkommen vom Himmel, willkommen,

mein holder junger Schnee,

bist viele Meilen gekommen,

sag' an, was macht's in der Höh'?

Mir ist's, als käme der Himmel

ganz leise mit dir herab,

als tanzten im Flockengetümmel

viel' Engel auf und ab;

mir ist's, als schwebten hernieder

die Träume der Weihnachtszeit

und füllten den Busen mir wieder

mit Kindesseligkeit.

Wie war es doch so lauter,

des Knaben Lust und Weh',

so rein und fromm und lauter

wie du, mein junger Schnee!

Du deckst mit der keuschen Hülle

die braune Erde zu,

da finden in friedlicher Stille

viel welke Blätter Ruh'!

Mir ist's, als sänge dein Flüstern

zur Ruhe mich sanft und mild,

als würden alle die düster'n

Gedanken und Sorgen gestillt;

mir ist's, als sänke hernieder

ein Schleier auf jedes Leid,

als träumte der Busen wieder

von Kindesseligkeit.

Und friedensstill und lauter

wird all' mein' Lust und Weh',

so rein und fromm und lauter

wie du, mein junger Schnee!